Wie können Organisationen in Zusammenarbeit mit anderen Akteur:innen zu gesellschaftlich wünschenswerten Entwicklungen betragen – und dabei gleichzeitig als Organisation prosperieren? Das ist eine Frage, die uns sehr beschäftigt. Eine Frage mit Planetenrelevanz.
Mit dem Modell der „Systemischen Wirksamkeit“ versuchen wir eine Antwort darauf zu finden. Das Modell ist nichts Fertiges, sondern ständig in Arbeit und Bewegung. Idealerweise arbeitest und forschst du mit daran.
Das Modell ist inspiriert vom Prinzip der Sympoiesis, das besagt: Ein Organismus/System bringt sich nicht nur selbst hervor und erhält sich, sondern ist gleichzeitig und immer im Austausch mit anderen Systemen. Dadurch wird es mit-hervorgebracht, mit-entfaltet, mit-erhalten, mit-transformiert. Wir sind dabei, dieses Modell des Gemeinsam-Machens und Mit-Werdens auf die soziale Welt von Organisationen zu übertragen. Andere Player, andere Funktionssysteme, andere Subkulturen – alle haben ihren Sinn, ihre Sprache, ihre Anliegen. Wenn wir bereit sind, andere Perspektiven zu verstehen und anzuerkennen, tun sich möglicherweise Türen auf, und überraschende (und überraschte) Verbündete treten heraus.
Im Kern geht es also um einem ernsthaften Austausch mit Andersheit. Dieser Austausch kann die anderen (Menschen und Organisationen) und uns gesund verändern.
Was ist unsere gesellschaftsrelevante Vision? Wie können wir über die eigene Organisation hinaus zu guten gesellschaftlichen Entwicklungen beitragen?
Wer müsste anders denken/handeln, damit unsere Vision wirklich werden kann?
Auf welchen konkreten, relevanten Teilaspekt der Vision konzentrieren wir uns?
In welchem Feld bewegen wir uns? Wer sind unsere Verbündeten?
Was ist unser Beitrag/unsere Rolle?
Was ist unsere Kernkompetenz? Was können wir besonders gut?
Was tut sich gerade in der Gesellschaft, in der Politik, in den Umwelten?
Welche Relevanz- und Chancen-Türen gehen gerade auf?
Wie kann man „das andere Ufer“ mitbearbeiten und mitdenken?
Wie kommen wir in einen echten Dialog? Wie lassen wir uns selbst verändern?
Systemische Wirksamkeit ist nicht ganz einfach zu fassen. Und was man nicht so gut fassen kann, zerlegt man am besten erst mal. In Begriffe.
AUTOPOIESIS
Von altgriechisch αὐτός autos “selbst” und ποιεῖν poiein “schaffen, bauen“, ist der Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems.
Luhmann verschafft dem der Biologie entstammenden, von Humberto Maturana und Francisco Varela geprägten Begriff, Eingang in die Soziologie. Bedeutend dabei ist vor allem die Frage der selbstreferentiellen Geschlossenheit und Offenheit sozialer Systeme.
HARAWAY, DONNA JEANNE
Zoologin, Philosophin, Literaturwissenschaftlerin, Naturwissenschaftshistorikerin, Feministin, emeritierte US-amerikanische Professorin am Department für History of Consciousness und am Department für Feminist Studies an der University of California, Santa Cruz. Auf jeden Fall eine bedeutende Vor- und Neu-Denkerin für Kultur- und Naturwissenschaften.
Berüchtigt u.a. für ihr progressives Konzept von Verwandtschaft, jenseits von Blutsverwandtschaft und Speziesgrenzen - „Gefährt:innen-Spezies“.
Typisch Haraway sind ein narrativer Weltzugang, der Bruch mit Denkgewohnheiten und experimentelle neue Begriffe, z.B. Cyborgs, Kritter, Chthuluzän. Ihr Modus: die kritisch-kreative Auseinandersetzung. Ihre Haltung: fragend und sorgend. Sie etabliert eine Ethik des Antwortens und der Neugierde. Nicht zuletzt ist Haraway eine wegweisende Weiterentwicklerin der Sympoiesis. (siehe wirksame Lektüre: “Donna Haraway”)
HETEROTOPIE
Aus altgriechisch ἕτερος héteros “verschieden, anders“ und τόπος tópos “Ort“. Laut dem französischen Philosophen Michel Foucault sind Heterotopien wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hinein gezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind,
Für uns heißt das: Nicht die eine große Lösung muss her, sondern viele kleine Visionen an allen Ecken und Enden, die greifbar machen, was geht.
Wir werden uns noch wundern, was alles geht!
(siehe wirksame Lektüre „Alles könnte besser sein”)
KOOPERIEREN ODER KOLLABORIEREN
Kollaborieren ist ziemlich en vogue. Zumindest theoretisch als philosophisches Leitprinzip echten gesellschaftlichen Wandels. „Kollaborieren statt konkurrieren“, raunt es durch die arbeitsweltlichen und führungstaktischen Sphären. Leichter gesagt als getan. Denn echte, ernstgemeinte und ernstzunehmende Kollaboration ist viel schwieriger als einfache Kooperation. Bei Kooperation treffen verschiedene Akteur:innen aufeinander, arbeiten zusammen an einer Aufgabe oder an einem Projekt und lösen sich nach getaner Arbeit wieder voneinander und kehren in ihre alten, angestammten oder in neue eigene Kontexte und Einheiten zurück.
Kollaboration hingegen meint eine speziellere, komplexere, tiefgehende Form des Zusammenkommens und -arbeitens. Dabei sehen Akteur:innen ein, dass sie den gemeinsamen Prozess nicht kontrollieren können und dass sie im Prozess nachhaltig verändert werden, und sie begrüßen diesen Wandel sogar.
KOOPERATION UND KONKURRENZ
Die Welt ist leider nicht widerspruchsfrei. Seufz. Ohne Kooperation, noch besser: Kollaboration, geht es nicht, und die übermäßige Betonung von Konkurrenz durch den Kapitalismus hat katastrophale Folgen.
Aber in einer vernetzten Welt von unterschiedlichen Individuen und Spezien ist nicht alles nur friedlich. Wir wollen ein lebendiges Ganzes und im Kleinen ist auch Fressen und Gefressen-Werden Teil einer lebendigen Welt. Wer Kooperation anstrebt, muss auch auf Selbsterhalt schauen. Sonst kann es sein, dass irgendwann nichts mehr da ist, was kooperieren könnte. Das wäre schade!
ÖKOSYSTEM
Altgriechisch οἶκος oikós “Haus” und σύστημα sýstema “das Zusammengestellte, das Verbundene”. Ein Fachbegriff der ökologischen Wissenschaften, der die Lebensgemeinschaft von Organismen mehrerer Arten und ihrer unbelebten Umwelt bezeichnet.
Höchste Zeit, auch Organisationen im Kontext ihrer Ökosysteme, also im Spannungsfeld von Interessen und Einflüssen, zu betrachten. (ganz korrekt wäre es mit Donna Haraway von sympoietischen Gefügen zu sprechen, aber wir finden den Begriff Ökosysteme anschaulicher und für unsere Zwecke genügend brauchbar)
In welchem Ökosystem (aka Feld) bewegst du dich?
ORGANISATIONEN
Sind Kommunikationssysteme, die Menschen so koordinieren, dass sie arbeitsteilig an gemeinsamen Zielen arbeiten. Also Unternehmen, Behörden, Interessenvertretungen, gemeinnützige Vereine … Ohne Organisationen geht nichts in dieser Welt, 99% aller Wirkungen kommen durch Organisationen zustande. Mensch, der du verändern willst, richte dein Augenmerk auf die Organisation, die du beeinflussen kannst!
SITUATIONSPOTENZIAL
Was würden wir ohne den französischen Philosophen und Sinologen François Jullien machen, der uns diesen wichtigen Faktor von Wirksamkeit aus dem chinesischen Altertum herüber gerettet hat. Der Grundgedanke (aus strategischer Sicht): In einer Situation, das Potenzial ebendieser zu bemerken und dann allmählich die Situation so, dass sie sich neigt, zu eigenen Gunsten verändern. Die Situation tut sich letztlich auf wie ein Abhang, den hinab die Auswirkungen ihren Lauf nehmen. Wer in der Lage ist, das Potenzial einer Situation zu erkennen und zu nutzen, braucht weiter nichts mehr zu tun.
SOZIALÖKOLOGISCHE TRANSFORMATION
Angelehnt an „The Great Transformation“ von Karl Polanyi aus dem Jahr 1944. Wurde vor allem durch den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen ab 2011 im deutschsprachigen Diskurs über Umweltfragen bekannt. Ist verbunden mit der Forderung, dass die Gesellschaften ihre energetischen Grundlagen auf erneuerbare Energien umstellen und damit die bisherige "fossil nukleare" Wirtschaftsweise überwinden; sowie mit der klassischen ethischen Frage der Transformation, nämlich jener nach umfassender Gerechtigkeit und einem guten Leben für alle.
Das muss doch möglich sein.
SYMPOIESIS
Stammt aus der Biologie und wurde von Beth Dempster 2000, in Abgrenzung oder als Pendant zu Autopoiesis, geprägt. Über Donna Haraway und Katharina Hoppe ist auch dieser Begriff in der Soziologie/Systemtheorie gelandet.
Sympoiesis bezeichnet das Phänomen, dass lebende Systeme sich gegenseitig und gemeinsam ihre Umwelt hervorbringen. Dabei verändern sie sich und ihre Beziehungen.
Durch den evolutionären Vorgang der Sympoiesis wurden im Laufe der Jahrmillionen aus Einzellern unter anderem Säugetiere. Verschiedene Spezies verschmolzen im Zuge der Entwicklung zu komplexeren Organismen, die wiederum in multiplen Wechselwirkungen ihre Umwelt prägten. Kein Pferd ohne Savanne, keine Savanne ohne Pferde - und eine Vielzahl anderer Spezies - die ihren gemeinsamen Lebensraum auch gemeinsam hervorbringen.
SYMPOIETISCHE GEFÜGE
Sind im Unterschied zu autopoietischen Systemen nicht abgegrenzt.
Auf die soziale Welt von Organisationen und Gesellschaft umgelegt, hat uns Sympoiesis zum Konzept der Systemischen Wirksamkeit inspiriert. Zum Gemeinsam-Machen und Mit-Werden. Zum Sich-Sorgen und zur Neugier auf das Andere. Zu einem ernsthaften Austausch mit Andersheit, der das Andere und uns verändert.
THEORY OF CHANGE
Eine explizite Theorie darüber, wie und warum eine soziale Politik oder programmatische Aktivitäten zu Ergebnissen und Wirkungen führen sollen.
Beantwortet die Fragen: Was wollen wir eigentlich erreichen? Und wie geht das? Hilft, bei großen, komplexen, schier überwältigenden Herausforderungen, Handlungen und Beiträge zu identifizieren, die tatsächlich wirksam werden können – und die den eigenen Stärken, Ressourcen und Kapazitäten entsprechen.
UFER, DAS ANDERE
Das Ufer ist die an ein Gewässer unmittelbar anschließende Landfläche. Bei Fließgewässern kann man das rechte und linke Ufer eindeutig festlegen.
Leider denken nicht alle so wie wir. Oder Gottseidank.
Die Kommunikation mit Menschen und Gruppen in anderen Blasen, an anderen Ufern, mit anderen Perspektiven, die auch Energie für das Thema haben, das mir/uns wichtig ist, sind essentiell für nachhaltige gesellschaftliche Veränderungen.
Andere Player, andere Funktionssysteme, andere Subkulturen: Alle haben ihren Sinn, ihre Sprache, ihre Anliegen. Wenn wir bereit sind, andere Perspektiven zu verstehen und anzuerkennen, tun sich möglicherweise Türen auf und überraschende (und überraschte) Verbündete treten heraus.
Wir müssen bereit sein, das andere Ufer zu bearbeiten. Das heißt, auch eigene Vorstellungen und Glaubenssätze in Frage zu stellen, damit etwas in Bewegung kommt.
Wie können Organisationen in Zusammenarbeit mit anderen Akteur:innen zu gesellschaftlich wünschenswerten Entwicklungen betragen – und dabei gleichzeitig als Organisation prosperieren? Das ist eine Frage, die uns sehr beschäftigt. Eine Frage mit Planetenrelevanz.
Mit dem Modell der „Systemischen Wirksamkeit“ versuchen wir eine Antwort darauf zu finden. Das Modell ist nichts Fertiges, sondern ständig in Arbeit und Bewegung. Idealerweise arbeitest und forschst du mit daran.
Das Modell ist inspiriert vom Prinzip der Sympoiesis, das besagt: Ein Organismus/System bringt sich nicht nur selbst hervor und erhält sich, sondern ist gleichzeitig und immer im Austausch mit anderen Systemen. Dadurch wird es mit-hervorgebracht, mit-entfaltet, mit-erhalten, mit-transformiert. Wir sind dabei, dieses Modell des Gemeinsam-Machens und Mit-Werdens auf die soziale Welt von Organisationen zu übertragen. Andere Player, andere Funktionssysteme, andere Subkulturen – alle haben ihren Sinn, ihre Sprache, ihre Anliegen. Wenn wir bereit sind, andere Perspektiven zu verstehen und anzuerkennen, tun sich möglicherweise Türen auf, und überraschende (und überraschte) Verbündete treten heraus.
Im Kern geht es also um einem ernsthaften Austausch mit Andersheit. Dieser Austausch kann die anderen (Menschen und Organisationen) und uns gesund verändern.
Was ist unsere gesellschaftsrelevante Vision? Wie können wir über die eigene Organisation hinaus zu guten gesellschaftlichen Entwicklungen beitragen?
Wer (von uns) müsste anders denken/handeln, damit unsere Vision wirklich werden kann?
Auf welchen konkreten, relevanten Teilaspekt der Vision konzentrieren wir uns?
In welchem Feld bewegen wir uns? Wer sind unsere Verbündeten?
Was ist unser Beitrag/unsere Rolle?
Was ist unsere Kernkompetenz? Was können wir besonders gut?
Was tut sich gerade in der Gesellschaft, in der Politik, in den Umwelten?
Welche Relevanz- und Chancen-Türen gehen gerade auf?
Wie kann man „das andere Ufer“ mitbearbeiten und mitdenken?
Wie kommen wir in einen echten Dialog? Wie lassen wir uns selbst verändern
Systemische Wirksamkeit ist nicht ganz einfach zu fassen. Und was man nicht so gut fassen kann, zerlegt man am besten erst mal. In Begriffe.
AUTOPOIESIS
Von altgriechisch αὐτός autos “selbst” und ποιεῖν poiein “schaffen, bauen“, ist der Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems.
Luhmann verschafft dem der Biologie entstammenden, von Humberto Maturana und Francisco Varela geprägten Begriff, Eingang in die Soziologie. Bedeutend dabei ist vor allem die Frage der selbstreferentiellen Geschlossenheit und Offenheit sozialer Systeme.
HARAWAY, DONNA JEANNE
Zoologin, Philosophin, Literaturwissenschaftlerin, Naturwissenschaftshistorikerin, Feministin, emeritierte US-amerikanische Professorin am Department für History of Consciousness und am Department für Feminist Studies an der University of California, Santa Cruz. Auf jeden Fall eine bedeutende Vor- und Neu-Denkerin für Kultur- und Naturwissenschaften.
Berüchtigt u.a. für ihr progressives Konzept von Verwandtschaft, jenseits von Blutsverwandtschaft und Speziesgrenzen - „Gefährt:innen-Spezies“.
Typisch Haraway sind ein narrativer Weltzugang, der Bruch mit Denkgewohnheiten und experimentelle neue Begriffe, z.B. Cyborgs, Kritter, Chthuluzän. Ihr Modus: die kritisch-kreative Auseinandersetzung. Ihre Haltung: fragend und sorgend. Sie etabliert eine Ethik des Antwortens und der Neugierde. Nicht zuletzt ist Haraway eine wegweisende Weiterentwicklerin der Sympoiesis. (siehe wirksame Lektüre: “Donna Haraway”)
HETEROTOPIE
Aus altgriechisch ἕτερος héteros “verschieden, anders“ und τόπος tópos “Ort“. Laut dem französischen Philosophen Michel Foucault sind Heterotopien wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hinein gezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind,
Für uns heißt das: Nicht die eine große Lösung muss her, sondern viele kleine Visionen an allen Ecken und Enden, die greifbar machen, was geht.
Wir werden uns noch wundern, was alles geht!
(siehe wirksame Lektüre „Alles könnte besser sein”)
KOOPERIEREN ODER KOLLABORIEREN
Kollaborieren ist ziemlich en vogue. Zumindest theoretisch als philosophisches Leitprinzip echten gesellschaftlichen Wandels. „Kollaborieren statt konkurrieren“, raunt es durch die arbeitsweltlichen und führungstaktischen Sphären. Leichter gesagt als getan. Denn echte, ernstgemeinte und ernstzunehmende Kollaboration ist viel schwieriger als einfache Kooperation. Bei Kooperation treffen verschiedene Akteur:innen aufeinander, arbeiten zusammen an einer Aufgabe oder an einem Projekt und lösen sich nach getaner Arbeit wieder voneinander und kehren in ihre alten, angestammten oder in neue eigene Kontexte und Einheiten zurück.
Kollaboration hingegen meint eine speziellere, komplexere, tiefgehende Form des Zusammenkommens und -arbeitens. Dabei sehen Akteur:innen ein, dass sie den gemeinsamen Prozess nicht kontrollieren können und dass sie im Prozess nachhaltig verändert werden, und sie begrüßen diesen Wandel sogar.
KOOPERATION UND KONKURRENZ
Die Welt ist leider nicht widerspruchsfrei. Seufz. Ohne Kooperation, noch besser: Kollaboration, geht es nicht, und die übermäßige Betonung von Konkurrenz durch den Kapitalismus hat katastrophale Folgen.
Aber in einer vernetzten Welt von unterschiedlichen Individuen und Spezien ist nicht alles nur friedlich. Wir wollen ein lebendiges Ganzes und im Kleinen ist auch Fressen und Gefressen-Werden Teil einer lebendigen Welt. Wer Kooperation anstrebt, muss auch auf Selbsterhalt schauen. Sonst kann es sein, dass irgendwann nichts mehr da ist, was kooperieren könnte. Das wäre schade!
ÖKOSYSTEM
Altgriechisch οἶκος oikós “Haus” und σύστημα sýstema “das Zusammengestellte, das Verbundene”. Ein Fachbegriff der ökologischen Wissenschaften, der die Lebensgemeinschaft von Organismen mehrerer Arten und ihrer unbelebten Umwelt bezeichnet.
Höchste Zeit, auch Organisationen im Kontext ihrer Ökosysteme, also im Spannungsfeld von Interessen und Einflüssen, zu betrachten. (ganz korrekt wäre es mit Donna Haraway von sympoietischen Gefügen zu sprechen, aber wir finden den Begriff Ökosysteme anschaulicher und für unsere Zwecke genügend brauchbar)
In welchem Ökosystem (aka Feld) bewegst du dich?
ORGANISATIONEN
Sind Kommunikationssysteme, die Menschen so koordinieren, dass sie arbeitsteilig an gemeinsamen Zielen arbeiten. Also Unternehmen, Behörden, Interessenvertretungen, gemeinnützige Vereine … Ohne Organisationen geht nichts in dieser Welt, 99% aller Wirkungen kommen durch Organisationen zustande. Mensch, der du verändern willst, richte dein Augenmerk auf die Organisation, die du beeinflussen kannst!
SITUATIONSPOTENZIAL
Was würden wir ohne den französischen Philosophen und Sinologen François Jullien machen, der uns diesen wichtigen Faktor von Wirksamkeit aus dem chinesischen Altertum herüber gerettet hat. Der Grundgedanke (aus strategischer Sicht): In einer Situation, das Potenzial ebendieser zu bemerken und dann allmählich die Situation so, dass sie sich neigt, zu eigenen Gunsten verändern. Die Situation tut sich letztlich auf wie ein Abhang, den hinab die Auswirkungen ihren Lauf nehmen. Wer in der Lage ist, das Potenzial einer Situation zu erkennen und zu nutzen, braucht weiter nichts mehr zu tun.
SOZIALÖKOLOGISCHE TRANSFORMATION
Angelehnt an „The Great Transformation“ von Karl Polanyi aus dem Jahr 1944. Wurde vor allem durch den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen ab 2011 im deutschsprachigen Diskurs über Umweltfragen bekannt. Ist verbunden mit der Forderung, dass die Gesellschaften ihre energetischen Grundlagen auf erneuerbare Energien umstellen und damit die bisherige "fossil nukleare" Wirtschaftsweise überwinden; sowie mit der klassischen ethischen Frage der Transformation, nämlich jener nach umfassender Gerechtigkeit und einem guten Leben für alle.
Das muss doch möglich sein.
SYMPOIESIS
Stammt aus der Biologie und wurde von Beth Dempster 2000, in Abgrenzung oder als Pendant zu Autopoiesis, geprägt. Über Donna Haraway und Katharina Hoppe ist auch dieser Begriff in der Soziologie/Systemtheorie gelandet.
Sympoiesis bezeichnet das Phänomen, dass lebende Systeme sich gegenseitig und gemeinsam ihre Umwelt hervorbringen. Dabei verändern sie sich und ihre Beziehungen.
Durch den evolutionären Vorgang der Sympoiesis wurden im Laufe der Jahrmillionen aus Einzellern unter anderem Säugetiere. Verschiedene Spezies verschmolzen im Zuge der Entwicklung zu komplexeren Organismen, die wiederum in multiplen Wechselwirkungen ihre Umwelt prägten. Kein Pferd ohne Savanne, keine Savanne ohne Pferde - und eine Vielzahl anderer Spezies - die ihren gemeinsamen Lebensraum auch gemeinsam hervorbringen.
SYMPOIETISCHE GEFÜGE
Sind im Unterschied zu autopoietischen Systemen nicht abgegrenzt.
Auf die soziale Welt von Organisationen und Gesellschaft umgelegt, hat uns Sympoiesis zum Konzept der Systemischen Wirksamkeit inspiriert. Zum Gemeinsam-Machen und Mit-Werden. Zum Sich-Sorgen und zur Neugier auf das Andere. Zu einem ernsthaften Austausch mit Andersheit, der das Andere und uns verändert.
THEORY OF CHANGE
Eine explizite Theorie darüber, wie und warum eine soziale Politik oder programmatische Aktivitäten zu Ergebnissen und Wirkungen führen sollen.
Beantwortet die Fragen: Was wollen wir eigentlich erreichen? Und wie geht das? Hilft, bei großen, komplexen, schier überwältigenden Herausforderungen, Handlungen und Beiträge zu identifizieren, die tatsächlich wirksam werden können – und die den eigenen Stärken, Ressourcen und Kapazitäten entsprechen.
UFER, DAS ANDERE
Das Ufer ist die an ein Gewässer unmittelbar anschließende Landfläche. Bei Fließgewässern kann man das rechte und linke Ufer eindeutig festlegen.
Leider denken nicht alle so wie wir. Oder Gottseidank.
Die Kommunikation mit Menschen und Gruppen in anderen Blasen, an anderen Ufern, mit anderen Perspektiven, die auch Energie für das Thema haben, das mir/uns wichtig ist, sind essentiell für nachhaltige gesellschaftliche Veränderungen.
Andere Player, andere Funktionssysteme, andere Subkulturen: Alle haben ihren Sinn, ihre Sprache, ihre Anliegen. Wenn wir bereit sind, andere Perspektiven zu verstehen und anzuerkennen, tun sich möglicherweise Türen auf und überraschende (und überraschte) Verbündete treten heraus.
Wir müssen bereit sein, das andere Ufer zu bearbeiten. Das heißt, auch eigene Vorstellungen und Glaubenssätze in Frage zu stellen, damit etwas in Bewegung kommt.